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Monika und Siegfried Niebius

Aufgewachsen sind wir im Rheinland und lernten uns in der Ausbildung im Krankenhaus kennen. 1975 heirateten wir. Wir haben 3 Kinder und inzwischen 4  Enkelkinder. Der berufliche Weg führte uns nach Herdecke.  Als Pflegefachkräfte absolvierten wir im Laufe der Jahre verschiedene Fachweiterbildungen und berufsspezifische Studiengänge. Zum Leiten und Führen unserer Altenpflegefamilie haben wir zu gleichen Teilen somit alle erforderlichen Befähigungen.  Es gelang uns trotz der vielfältigen Aufgabenverteilung unser beider Berufsleben, den Anspruch der eigenen Familie mit der Altenpflegefamilie zu leben.

Unsere Kinder wurden sozusagen in die Altenpflegefamilie hineingeboren. In den über 30 Jahren Altenpflegefamilie haben unsere Kinder und wir schöne Erinnerungen sammeln können. So zum Beispiel lernte unsere Tochter das Klavierspielen von Frau Führer, die über einige Jahre in unserem Hause lebte. Für unser eigenes Alter wünschen wir uns auch eine ähnliche Situation wie die Altenpflegefamilie. Zumindest eine Wohnform im kleineren Sinne. Vielleicht sogar eine Wohngemeinschaft.

Bis zum heutigen Tage arbeiten wir immer noch an unseren Ideen und Vorstellungen. Es gibt daher vieles zu tun um die Altenpflege in einer Familie den neuzeitlichen Bedingungen anzupassen.  Mit der Zunahme des eigenen Alters sehen wir die Pflege und Betreuung schon mit anderen Augen. So gesehen hat alles seine Zeit. Daher ist es wichtig, dass in unserem Team auch jüngere Menschen integriert sind.

Vieles gelang uns auch deshalb so erfolgreich weil wir unsere Möglichkeiten, Interessen und auch Hobbys in die tägliche Arbeit auf ganz natürliche Weise einfließen lassen konnten. Die Freude an der Arbeit ist uns bis heute nicht verloren gegangen. Mit der Zeit lernten wir durch unsere Fehler und wurden stärker, verbindlicher und auch entscheidungsfreudiger. Seit Jahren kennen wir unsere Grenzen und Chancen. Vor allem lernten wir nicht nur eine gute, sichere Pflege in die Tat umzusetzen, sondern auch die damit verbundene Verantwortung zu übernehmen. In jedem dieser Bereiche arbeiten wir unabhängig, zielgerichtet und austauschbar. Unsere Rollen als Ehepaar in der Altenpflegefamilie sind somit multifunktional. Jeder kann fast alles; jedoch mit individueller Note. So gesehen lernten und lernen wir voneinander.

Mit Sicherheit sind wir nicht mit großen Anbietern im Gesundheits- und Pflegebereich vergleichbar; jedoch stand bei uns vor über 30 Jahren ein gleicher Mut zum Risiko Pate, wie bei jedem anderen  größeren Anbieter.

Das was wir im kleinen, familiären Bereich entwickelten, war 1982 noch nicht aktuell. Wir hatten keinen Businessplan und arbeiteten nur mit den uns zur Verfügung stehenden Mitteln. Schulden wollten wir zur damaligen Zeit nicht für die Verwirklichung unserer beruflichen Träume eingehen. Dies änderte sich jedoch zwangsläufig in den kommenden Jahren.

Anfänglich mussten wir viel Zeit darauf verwenden mit Ämtern und Behörden klar zu kommen. Letztendlich bekamen wir die erforderlichen Genehmigungen um unsere professionelle Altenpflege in unserer Familie anbieten zu können. Auch mit Eintritt der Pflegeversicherung konnten wir mit den Pflegekassen einen Versorgungsvertrag abschließen. Wir waren in ganz Deutschland die kleinste Pflegeeinrichtung mit allen erforderlichen Anerkennungen. In unserem Land ist es dann doch so, dass mit Mut zum Risiko, fachlicher Autorität, einem guten Selbstbewusstsein, dem Glauben an seine Idee, doch auch Behörden mitdenkend entscheiden. Damals wie heute leisten wir eine Pflege und Betreuung auf hohem Niveau. Unser Anspruch war und ist  immer noch der gleiche und richtet sich buchstäblich nach dem Gedanken einer umfassenden Fürsorge. Dieser Gedanke kehrt erst seit 2014 allmählich in die Diskussion eines neuen Pflegebegriffes ein.

Als junge Familie kannten wir schon Disziplin, Durchhaltevermögen und auch den Umgang mit existenziellen Krisen. Mit der Altenpflegefamilie lernten wir in den vergangenen 30 Jahren in besonderer Weise mit diesen „Tugenden“ umzugehen. Verantwortung und Durchhaltevermögen begleiten uns bis zum heutigen Tage.

Eigentlich wollten wir nie ein Altenpflegeheim sein; jedoch gab es nach dem Gesetz keine andere Bezeichnung. Heute wird schon der Gedanke des Wohnen und Unterstützen in den Vordergrund gestellt. Mit Sicherheit hätten wir im Laufe der Jahre expandieren können. Gedanklich nicht uninteressant aber dennoch nicht für uns. Wir wollten immer am Geschehen teilhaben und die berufliche Tätigkeit mit unserer Pflege und Betreuung nicht verlassen. Dies ist auch noch bis zum heutigen Tage so. Selbstverständlich mit dem Einsatz von Mitarbeitern.

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