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Die Altenpflegefamilien sind seit 1982 unabhängige, private und sozialpflegerische Kleinsteinrichtungen der Alten- und Behindertenhilfe. Sie bieten professionelle Pflege und Betreuung innerhalb der eigenen Familie für erwachsene Menschen aller Altersstufen an. Organisierte Altenpflegefamilien innerhalb einer unterstützenden Wohnform verstehen sich als ergänzende Angebote des bestehenden Versorgungssystems der Alten- und Behindertenhilfe.

In den westlichen Zivilisationen hat die Individualisierung für viele ältere- und pflegebedürftige Menschen ein Extrem erreicht, das mit Dezentralisierung bis Vereinsamung teilweise leidvoll verbunden ist. Um diesen Veränderungen zu begegnen, brauchen wir wieder mehr Gemeinschaft – jetzt allerdings ganz bewusst und gewollt eingegangen. Integration älterer/ jüngerer und pflegebedürftiger Menschen, denen der Schritt in die Isolation droht, hinein in ein kleines, überschaubares soziales System, zu dem sie ein Zugehörigkeitsgefühl entwickeln können, sprich: Familie (auch wenn es nicht die „eigene“ ist).

Geschichte

Die Altenpflegefamilienidee entwickelte sich seit 1975 und konkretisierte sich 1982 mit der ersten professionellen Betreuung von pflegebedürftigen Menschen in der Altenpflegefamilie Monika und Siegfried Niebius in Herdecke an der Ruhr. Monika Niebius (Kinderkrankenschwester) und Siegfried Niebius (Krankenpfleger) sind als Ehepaar davon überzeugt, dass auch ältere Menschen mit Pflege- und Betreuungsbedarf, ähnlich wie bei Pflegekindern, in einer Pflegefamilie ein neues Zuhause finden können. In den siebziger und achtziger Jahren begannen die heute etablierten Entwicklungen in der Altenpflege. Monika und Siegfried waren von dem Gedanken einer echten familiären Betreuungssituation, mit selbst geleisteter professioneller Alten- und Krankenpflege,  so sehr begeistert, dass sie zu den bereits in ihrem Hause lebenden Pflege- und leiblichen Kindern, nun eine Tante aus dem erweiterten Familienkreis zur Pflege aufnahmen. Frau Dr. jur. et. rer. pol. Margot Paazig war das erste Mitglied der Altenpflegefamilie und prägte diese nachhaltig. Noch heute gelten ihre Grundsätze. Ihren reichen Erfahrungsschatz in Sachen sozialer Arbeit und Aufbau von wohltätigen Einrichtungen brachte sie vehement ein. Nach dem Tode wurde ihr gesamtes Lebenswerk durch die Verleihung der Motheus Plakette gewürdigt. 2000 wurde eine weitere Altenpflegefamilie in Brandenburg/ Prignitz nach dem Modell der Herdecke Altenpflegefamilie gegründet.

Altenpflegefamilie Kleinsteinrichtung der Alten- und Behindertenhilfe

Neben dem Hauselternehepaar und deren Kindern wohnen mit in der Altenpflegefamilie 4-8 pflege- und betreuungsbedürftige erwachsene Menschen, jüngeren oder fortgeschrittenen Alters. Die erforderliche Pflege und Betreuung wird in der Regel durch das Hauselternpaar selber geleistet. Sie kommen aus sozial- pflegerischen Berufen wie der Alten- und /oder Krankenpflege, Pädagogik oder Sozialpädagogik. Mit diesen Zielen arbeiten die Altenpflegefamilien:

  • Großer Raum für Selbstbestimmung.
  • Qualitativ hochwertige Pflege und Betreuung ohne Zeitdruck, individuell organisiert.
  • Gleichbleibende Bezugspersonen.
  • Generationserlebnisse als Lebensbereicherung, vitalisierendes enges Beieinander von Jung und Alt mit all seinen interessanten Spannungen.
  • Großer Raum für psychosoziale Betreuung. Natürliche zwischenmenschliche Atmosphäre ohne Zwänge.
  • Reaktivierung der mentalen Fähigkeiten bzw. Bremsen der geistigen Alterung.
  • Verbindung des „familiären“ Anspruches mit der Organisation eines „internen“ Betriebes.
  • Einbindung von Mitarbeitern, die sich gleichzeitig sowohl um das pflegerische Wohl der Bewohner als auch um die Haushaltsführung bemühen.
  • Berücksichtigung der individuellen Privatsphäre.

Rechtliche Voraussetzungen

Die Altenpflegefamilien sind nach den in den einzelnen Bundesländern geltenden Gesetzen anerkannte Kleinsteinrichtungen der Alten- und Behindertenhilfe. Sie werden von der zuständigen Aufsichtsbehörde besucht und beraten. In der Regel bestehen Versorgungsverträge mit den Pflegekassen und laufenden Entgeltvereinbarungen. Somit können Leistungen der Pflege- und Sozialkassen abgerechnet werden. Zur Leitung einer Altenpflegefamilie als Kleinsteinrichtung der Alten- und Behindertenhilfe sind die Hauseltern häufig zu gleichen Teilen als Heimleiter/in und Pflegedienstleiter/in ausgebildet. Auch können weitere Studiengänge mit entsprechenden Abschlüssen wie Betriebswirtschaft, Pflegewissenschaften, Fachweiterbildungen der Alten- und Krankenpflege hilfreich sein, gelten aber nicht als Voraussetzung. Die Mitgliedschaft in einem Dachverband wie zum Beispiel dem Bundesverband privater Anbieter von sozialen Diensten kann hilfreich sein.

Als Leistungsanbieter verpflichten sich die Altenpflegefamilien in einem Vertrag zur Überlassung von Wohnraum und der Erbringung von Pflege- und Betreuungsleistungen, beispielsweise (Brandenburg) als unterstützende Wohnform nach § 4 Abs. 1 BbgPBWoG. In diesem Fall sind die Anforderungen der Abschnitte 2 und 3 des vorgenannten Gesetzes zu gewährleisten.

Darunter fallen die allgemeinen Anforderungen und Anzeigepflichten des Abschnitts 2. Darüber hinaus sind zusätzliche Qualitäts- und Strukturanforderungen, die  Dokumentation- und Aufbewahrungspflichten, die Bestimmungen über zusätzliche  Leistungen an Leistungserbringer und Beschäftigte und die Mitwirkungsrechte des Abschnitts 3 des BbgPBWoG zu beachten. 

Nachweise

Homepage Altenpflegefamilie

Fachpresse

04.09.1987   Evangelische Impulse Zeitschrift für die Arbeit mit alten Menschen 4 September 1987  9. Jahrgang Die Altenpflegefamilie von Siegfried Niebius

01.01.1988   Die Schwester Der Pfleger Bibliomed Fachzeitschrift für Krankenpflege 27. Jahrgang Januar 1988 ISSN 0340-5303 1P 2898 E Hilfe für alte Menschen in der Großfamilie von Siegfried Niebius u.Helga Juckel

01.10.1988   Graue Panther Pro & Contra Wohngemeinschaften Nr. 5/88 Okt./Nov. 1H 8390 ISSN 0178-5109 Oktober- November 1988

01.06.1992    Altenpflege Organ der Fachkräfte in ambulanter und stationärer Altenhilfe H 2691 E 6 17. Jahrgang 1.Juni1992 Vincentz Verlag Hannover Glückliche Tage am Lebensende Das ungewöhnliche Modell „Altenpflegefamilie“  von Dirk Jacobs

12.02.2000   Naomi Feil US-amerikanische Gerontologin besuchte am 12.02.2000 die Altenpflegefamilie Naomi Feil US-amerikanische Gerontologin

07.02.2002   Horst Schwiebert, ZAWiW, Universität Ulm neue Wohnform Altenpflegefamilie  07.02.2002

07.02.2002   Horst Schwiebert, ZAWiW, Universität Ulm neue Wohnform Altenpflegefamilie  07.02.2002 als PDF

Regionale- und Überregionale Presse

21.03.1987  Beilage der Westfälischen Rundschau am Samstag, 21. März 1987 Altenheim mit Familienanschluss von Roland Müller (Text)  und Ingrid Brecker (Fotos) 

05.08.1987   Das Neue Blatt Nr. 33 05 August 1987 Eine schöner Lebensabend- hier wird dieser Traum Wirklichkeit  Altersheim mit Familienanschluss  von Schäfer

07.09.1987   Westfalenpost Reportage vom 07.09.1987 Im „kleinsten Heim“ gibt´s Familienanschluss von Bernhard Jansen

28.06.1997   Stuttgarter Zeitung Nr. 146 Moderne Zeiten Samstag 28. Juni 1997 Seite 47 Professionelle Großfamilie Wie ein privates Pflegeheim gewachsen ist von Barbara Frandsen

23.06.2001   Kirchenblatt Evangelische Gemeinde Grabow Aufblühen in Grabow 23.06.2001 von Dirk Jacobs

01.01.2002   Märkische Allgemeine 29.01.2002 Tapetenwechsel für ältere Herrschaften von Beate Kopf

13.04.2007   Seit 25 Jahren Heimat für Senioren 13.04.2007 Lokalausgabe von Thilo Wagner Westfälische Rundschau

28.04.2007  Prignitz Kurier Märkische Allgemeine  „Diese Stille, diese Ruhe, diese Luft“ vom 28. + 29.03.2007 von Beate Vogel

03.03.2013Prignitz Kurier Märkische Allgemeine Das kleinste Altenpflegeheim der Prignitz von Jens Wegner

06.03.2013Wochenspiegel Prignitz Zugehörigkeitsgefühl kann heilend sein

10.05.2016  Westfalen Post Herdecke und Wetter Altenpflegefamilie schließt nach 35 Jahren

27.02.2017   Märkische Allgemeine Regional Prignitz Eine Warteliste wird nicht gebraucht von Claudia Bihler

23.05.2017 Prignitz Kurier Märkische Allgemeine Mit Gleichaltrigen unter einem Dach Diethelm Meyer

Radio

00.00.0000 WDR Köln Eine Familie wird zur Altenpflegefamilie Monika u. Siegfried Niebius

00.00.0000 Deutschland Funk Bonn Besuch in der Altenpflegefamilie von Barbara Frandsen

Fernsehen

00.00.0000 Aktuelle Stunde Düsseldorf Regional Dortmund Die Altenpflegefamilie Monika u. Siegfried Niebius in Herdecke

00.00.0000 ??

11.04.2008 NRW TV Hornè Live Gast am Freitag: 11. April 2008 17:00 Uhr Monika Niebius Altenpflegefamilie Herdecke

Dr. jur.et.rer.pol. Margot Paazig

Aus der Geschichte lernen heißt für die Zukunft gewappnet zu sein Dr. Margot Paazig

In Gemeinschaft alt werden. Lebenshilfe für alte Menschen (Taschenbuch) Margot Paazig

Dr. Margot Paazig AWO Hauptausschuss

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